Zusammenfassung

Trainingswissenschaft für die Sportpraxis

 

Inhalt

 

Kapitel 1: Aufgaben und Inhalte der Trainingswissenschaft

Die Trainingswissenschaft ist eine von mehreren sehr unterschiedlichen sportwissenschaftlichen Teildisziplinen. Sie zeichnet sich durch ihre interdisziplinäre Arbeitsweise, ihre Nähe zur Sportpraxis und eine anwendungsbezogene Forschungsperspektive aus. Die drei inhaltlichen Gegenstandsbereiche sind „Training und Trainingssteuerung“, „Leistung und Leistungsdiagnostik“ sowie „Wettkampf und Wettkampfoptimierung“. Die Handlungsfelder gehen weit über den Bereich des Leistungssports hinaus und schließen auch den Schulsport, den Freizeit- und Fitnesssport sowie den Altersleistungssport ein. Forschungsmethodisch dominieren die Anwendungs- und Evaluationsforschung mit vereinzelt notwendigen Vertiefungen durch Grundlagenforschung. Die moderne Trainingswissenschaft ist zunehmend international vernetzt und aufgestellt und trägt im Diskurs mit der Sportpraxis zu bedeutsamen Paradigmenwechseln im Trainingsprozess bei.

 

Kapitel 2: Grundlagenwissen zum sportlichen Training

Der Trainingsbegriff erscheint trivial. Eine inhaltliche Präzisierung des Gegenstandes ist jedoch notwendig, zumal der Trainerberuf hierdurch seine gesellschaftliche Legitimation erfährt. Im Sinne einer sehr offenen Auslegung findet Training im Kontext von Bewegung und Sport in zahlreichen Anwendungsfeldern statt. Diese schließen neben dem Leistungssport auch den Freizeit-, Gesundheits- und Rehabilitationssport sowie den Vorschul- und Schulsport ein. Training verfolgt stetsein definiertes Ziel, wobei dieses sehr vielfältig sein kann. Neben einer Leistungssteigerung kann es den Leistungserhalt, die Reduktion eines Leistungsverlustes im Altersgang, die kontrollierte Leistungsreduktion nach Beendigung einer Spitzensportkarriere sowie leistungsunabhängige Zielsetzungen wie Gewichtsreduktion oder Wohlbefinden beinhalten. Zum Erreichen definierter Trainingsziele sind konkrete Trainingsinhalte und -methoden erforderlich. Die zu deren Realisierung definierten Belastungsnormative müssen für jedes Trainingsziel sorgfältig ausgewählt werden, um eine ausreichende Trainingsqualität und somit die erwünschte Trainingswirksamkeit sicherzustellen. Allgemeine Trainingsprinzipien bieten zusätzlich hilfreiche Orientierungen. Die durch Training ausgelösten Anpassungsprozesse (Adaptationen) sind komplexe Phänomene, die auf verschiedenen Funktionsebenen des menschlichen Organismus ablaufen. Fehlsteuerungen in der Trainings- und Wettkampfplanung können auch mit Fehlanpassungen (Übertrainingssyndrom) einhergehen. Folglich ist speziell im Leistungssport stets eine systematische (Orientierung der Inhalte an Außenkriterien) und planmäßige (Einordnung der Inhalte in einen zeitlichen Gesamtkontext) Vorgehensweise einzufordern.

 

Kapitel 3: Leistungssteuerung

Leistungssteuerung beinhaltet die zentralen Komponenten Wettkampfanalyse (und Wettkampfsteuerung), Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung. Alle Komponenten sind miteinander vernetzt und weisen jeweils eine langfristige und eine kurzfristige Perspektive auf. Im Bereich der Wettkampfanalyse existieren Verfahren verschiedener Komplexität zur Beschreibung (z. B. Belastungs- und Beanspruchungsprofile) und Erklärung der Wettkampfleistung (Leistungsstrukturmodelle). Die Leistungsdiagnostik widmet sich mit zahlreichen Verfahren speziell der Feststellung athletischer Komponenten außerhalb der Wettkampfsituation. Auswahl bzw. Entwicklung der verwendeten Testverfahren werden in jeder Sportart von der Wettkampfanalyse beeinflusst und sollten stets die klassischen Gütekriterien erfüllen. Die Leistungsdiagnostik liefert in langfristiger Perspektive auf der Basis von repräsentativen Querschnitterhebungen differenzierte Normprofile zur Einordnung der individuellen aktuellen Leistungsfähigkeit. Aus Wettkampfanalysen und Leistungsdiagnostik lassen sich sportartspezifische Leitlinien definieren und hierarchisieren, die die  Trainingssteuerung grundlegend beeinflussen. Die aktuellen Daten von individueller Wettkampfanalyse und Leistungsdiagnostik liefern in kybernetisch regulierten Zyklen wichtige Informationen für die Trainingssteuerung. Durch ein tägliches Athleten-Monitoring (z. B. Trainings- und Ermüdungsdokumentation) sowie eine Trainingswirkungsanalyse (z. B. Modellierung der Zusammenhänge zwischen Training und Leistungsentwicklung) werden individuelle und aktuelle Informationen zur Feinjustierung allgemeiner Leitlinien und definierter Trainingsziele in einen integrativen Prozess der Trainingssteuerung überführt.

 

Kapitel 4: Krafttraining

Kraft ist eine elementare Grundlage für jede Bewegung des Menschen und somit fundamentale Basis sportlicher Handlungskompetenzen. Das vorliegende Kapitel liefert einen Überblick über Bedeutung und Erscheinungsformen der Kraft, über biologische Grundlagen des Krafttrainings, über Anpassungsvorgänge, Trainingsmethoden und Belastungsdosierung sowie über konkrete Trainingsbeispiele. Krafttraining dient gleichermaßen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit wie auch zur Verletzungsprophylaxe und schafft zugleich Selbstvertrauen und ästhetische Zufriedenheit. Die Kraft basiert auf verschiedenen Erscheinungsformen (z. B. Maximalkraft und Schnellkraft) und Kontraktionsformen der Muskulatur (z. B. statisch und dynamisch), die für die Sportpraxis je nach Disziplin von unterschiedlicher Bedeutung sind. Grundlegende biologische Kenntnisse zum Verständnis von Kraft und Krafttraining beziehen sich unter anderem auf den Aufbau der Muskulatur, die Muskelarchitektur, das Muskelfaserspektrum, die neuromuskuläre Signalübertragung und den Vorgang der Muskelkontraktion. Neben den klassischen Trainingsmethoden zur Verbesserung der Maximalkraft, wie dem Hypertrophietraining und dem IK-Training, existieren zahlreiche weitere ergänzende und innovative Interventionen. Exemplarisch sind das Vibrationskrafttraining, das exzentrische Overload- Training und das Okklusions- (bzw. besser Blutflussreduktionstraining) zu nennen. Alle Trainingsinterventionen bewirken Anpassungsmechanismen (Reaktionen und Adaptationen) auf teils verschiedenen physiologischen Funktionsebenen, einschließlich Veränderungen auf zellulär- molekularer Ebene. Aus der unendlichen Vielzahl an Trainingsformen werden konkrete Trainingsbeispiele strukturiert nach grundsätzlichen Trainingszielen vorgestellt.

 

Kapitel 5: Schnelligkeitstraining

Schnelligkeit ist eine koordinativ-konditionelle Fähigkeit, basierend auf einem komplexen Geflecht aus Leistungsvoraussetzungen, auf Reize schnellstmöglich zu reagieren und/oder Bewegungen mit
höchsten Geschwindigkeiten zu realisieren. Aus evolutionärer Sicht war die Fähigkeit zur schnellen Fortbewegung überlebenswichtig. Heute ist die Schnelligkeitsleistung ein zentraler leistungslimitierender Faktor in vielen Sportarten. Das Kapitel liefert einen Überblick über Bedeutung und Erscheinungsformen der Schnelligkeit, über biologische Grundlagen für die Realisierung der Schnelligkeitsleistung sowie über Anpassungsvorgänge, Trainingsmethoden und Belastungsdosierung und stellt schließlich ausgewählte Trainingsbeispiele vor. Die Schnelligkeit kann in ihrer Reinform als primär koordinativ-technisch akzentuierte Fähigkeit charakterisiert werden, während komplexen sportartspezifischen Schnelligkeitsleistungen auch ein konditionell-energetischer Fähigkeitscharakter unterstellt werden kann. Neben neuronalen und tendomuskulären Leistungsvoraussetzungen sind sensorisch-kognitive und psychische sowie anlage-, entwicklungs- und lernbedingte Einflussgrößen in Abhängigkeit der sportartspezifischen Besonderheiten in unterschiedlichem Ausmaß von Bedeutung. Zur Verbesserung der Schnelligkeit existieren zahlreiche Trainingsbereiche und Methoden, die hinsichtlich der angestrebten Anpassungsvorgänge den verschiedenen Erscheinungsformen der Schnelligkeit zugeordnet werden können. Hierzu zählt beispielsweise das Training der elementaren oder komplexen Schnelligkeit. Aus der grenzenlosen Vielfalt an Trainingsformen werden konkrete Trainingsbeispiele vorgestellt.

 

Kapitel 6: Beweglichkeitstraining

Ausreichend beweglich ist, wer seine/ihre (sportlichen) Tätigkeiten ökonomisch und (weitgehend) widerstandsfrei ausführen kann. Die Beweglichkeit als eine der fünf motorischen Hauptbeanspruchungsformen rückt demnach immer dann in den Aufmerksamkeitsfokus, wenn sie unzureichend ausgeprägt ist und bewegungslimitierend wirkt. Der Beweglichkeit sind durch Gelenk- und Bindegewebsstrukturen, Muskellängen und -massen sowie äußere Faktoren wie Temperatur und Tageszeit Grenzen gesetzt, die sich insbesondere hinsichtlich der Flexibilität oder Dehnfähigkeit von Muskulatur und Bindegewebe durch Training beeinflussen lassen. Wie mobil und/oder stabil Athleten in einzelnen Gelenksystemen sein müssen, wird durch die sportartspezifischen Anforderungen an die spezielle Beweglichkeit vorgegeben.Mobilität und Stabilität können konkurrierende Trainingsziele darstellen, die nicht immer unter dem Aspekt der langfristigen Athletengesundheit bedient werden (z. B. Rhythmische Sportgymnastik). Maßnahmen des Dehnens wirken kurz- und langfristig auf die Vergrößerung der möglichen Bewegungsradien, ohne jedoch den (durch die in den Sarkomeren liegenden Strukturproteine der Titinmoleküle induzierten) inneren Spannungswiderstand der Muskulatur nachhaltig zu beeinflussen. Dieser ist vom unwillkürlichen Spannungstonus aufgrund von reflektorischen Verschaltungen zu unterscheiden. Der unwillkürliche Spannungstonus ist neurogener Natur und kann unterschiedliche Ursachen (z. B. Schmerzen aufgrund von Entzündungen, Verletzungen etc.) haben. Das Erreichen größerer Gelenkwinkel nach dem Dehnen wird vorrangig auf eine kurz- und langfristige Adaptation der Schmerzrezeptoren zurückgeführt. Die Vielfalt der möglichen Dehninterventionen (statisches und dynamisches Dehnen, komplexe PNF-Methoden) bietet aufgrund spezifischer Anpassungseffekte adäquate Trainingsmethoden für kurz- (Wettkampfvorbereitung) und langfristige (Erreichen endgradiger Gelenkwinkel) Ziele. Langfristig gesehen wirken sämtliche Methoden ähnlich gut. Als Muskelkater- und Verletzungsprophylaxe ist alleiniges Dehnen ungeeignet, wichtiger sind Maßnahmen der aktiv-dynamischen Bewegungsanbahnung. Moderne Warm-up-Programme berücksichtigen die Funktionalität sportartspezifischer Bewegungsmuster zur Aktivierung, Mobilisierung und Stabilisierung.

 

Kapitel 7: Ausdauertraining

Die Ausdauer und das Ausdauertraining sind aus Sicht des Energiestoffwechsels und des kardiopulmonalen Systems für den Leistungs- und Gesundheitssport von höchster Bedeutung. Das Kapitel liefert einen Überblick über die Bedeutung und Erscheinungsformen der Ausdauer und über ausgewählte biologische Grundlagen zum Verständnis des Ausdauertrainings. Hierbei wird speziell dem Energiestoffwechsel und der Substratverwertung (Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel) bei verschiedenen Ausdauerbelastungen viel Aufmerksamkeit gewidmet. Ausdauertraining bewirkt auf verschiedenen Funktionsebenen zahlreiche Anpassungsvorgänge. Diese beziehen sich auf das kardiopulmonale System, den Energie- und Fettstoffwechsel sowie auf mitochondriale, zirkulatorische und hämatologische Anpassungen. Auch den genetischen Ursachen unter anderem für die Überlegenheit der afrikanischen Langstreckenläufer wird ein spezielles Teilkapitel gewidmet. Für die Sportpraxis werden die typischen Ausdauertrainingsmethoden und die Möglichkeiten der Belastungsdosierung beschrieben. Dabei wird speziell der Trainingssteuerung mittels Herzfrequenz und den zugrunde liegenden Formeln detaillierte Aufmerksamkeit geschenkt. Konkrete Trainingsbeispiele runden das Kapitel ab.

 

Kapitel 8: Techniktraining

Techniktraining findet in einem Kontinuum zwischen der Ausrichtung an einer spezifischen Wettkampftechnik und dem Training allgemeiner koordinativer Fähigkeiten statt. Vor dem Hintergrund informationsverarbeitender Ansätze der motorischen Steuerung und Kontrolle sind Technikleitbilder und deren Herleitung eine essentielle Grundlage für das Techniktraining. Aus der Außenperspektive sind biomechanische, morphologische und funktionale Herangehensweisen leitend für die Technikanalysen. Zur Erfassung der inneren Prozesse und Dispositionen bei der motorischen Steuerung und Kontrolle sowie dem Lernen und Trainieren sportlicher Bewegungen gibt es unterschiedliche Modelle und Erklärungsansätze, die exemplarisch aufgegriffen werden. Die methodischen Vorgehensweisen des Techniktrainings richten sich an der effizienten Realisierung sportlicher Techniken im Wettkampf, im Alltag und in der Freizeit aus (z. B. Leistungssport, Rehabilitationssport, Behindertensport). Sie werden maßgeblich von den Rahmenbedingungen (z. B. Sportstätten, Wetter) sowie den Besonderheiten der Sportart, ggf. des Sportgerätes und den Voraussetzungen des Sportlers beeinflusst. Schließlich wird gesondert auf spezifische Vorgehensweisen (z. B. Bewegungskorrektur, Videofeedback) eingegangen, die in der Trainingspraxis häufig zur Anwendung kommen.

 

Kapitel 9: Regenerationsmanagement und Ernährung

Ermüdung und Regeneration sind integrale Bestandteile des Trainingsprozesses. Dabei steht die kontinuierliche Leistungsentwicklung in ständiger Wechselwirkung mit den durch Trainings- und Wettkampfaktivitäten ausgelösten Ermüdungsund Regenerationsvorgängen. Während die Steigerung der Trainingsqualität seit jeher im Fokus trainingswissenschaftlicher Bemühungen steht, richtet sich das Augenmerk zunehmend auch auf die Erholungsprozesse und deren Optimierung. Das Regenerationsmanagement lässt sich dabei im Wesentlichen in die Messung des Regenerationsbedarfs sowie in die individualisierte Planung und Anwendung von Regenerationsstrategien strukturieren. Hierbei ist die Bedeutung einer angemessenen Ernährung sowie von ausreichend Schlaf unbestritten. Zusätzlich kann in der (leistungs-) sportlichen Praxis aus einer Vielzahl an regenerationsfördernden Maßnahmen ausgewählt werden, deren Wirksamkeitsnachweis jedoch nur selten unter wissenschaftlich kontrollierten Bedingungen überzeugend erfolgt ist. Dies gilt sowohl für „traditionelle“ und bei den Athleten beliebte Maßnahmen wie beispielsweise die Massage als auch für neuartige Regenerationstrends wie Foam-Rolling oder für technologisch unterstützte Interventionsstrategien wie z. B. LED-Bestrahlung oder Kältekammern. Sowohl Ermüdungs- als auch Erholungsprozesse sind äußerst komplexe und multifaktorielle Phänomene, die in Abhängigkeit von den Belastungsmerkmalen sowie adressaten- und umweltspezifischen Besonderheiten auf verschiedenen Funktionsebenen des menschlichen Organismus (u. a. Muskulatur, Bindegewebe, zentrales Nervensystem, autonomes Nervensystem, endokrines System) in unterschiedlichen zeitlichen Dimensionen sowie in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Ausprägung stattfinden. Basierend hierauf werden in diesem Kapitel sowohl die Wirkmechanismen und Effekte von Regenerationsinterventionen, die sich in der Sportpraxis großer Beliebtheit erfreuen, diskutiert als auch Grundlagen zum Ernährungsmanagement im Sport besprochen. Unter Berücksichtigung individueller und sportartspezifischer Rahmenbedingungen werden Praxistipps für die Regenerationssteuerung im (Leistungs-)Sport vorgestellt.

 

Kapitel 10: Training im Kindes- und Jugendalter

Das Kinder- und Jugendtraining ist aus Sicht der Trainingswissenschaft für verschiedene Anwendungsfelder von hoher Relevanz. Diese beinhalten den Freizeit- und Gesundheitssport, den Schulsport, den Vereinssport sowie den Nachwuchsleistungssport und in diesem Zusammenhang die Bereiche der Talentidentifikation und Talentförderung. Empfehlungen für die Sportpraxis müssen sich an den entwicklungsspezifischen Besonderheiten im Kindes- und Jugendalter orientieren. Im vorliegenden Kapitel wird ein Schwerpunkt auf die biologischen und entwicklungsphysiologischen Besonderheiten gelegt. Vertieft betrachtet werden chronologische und biologische Entwicklung, anaerobe und aerobe Kapazität, Belastungstoleranz und regenerative Kapazität bei intensiver Intervallarbeit sowie Hitzetoleranz und Thermoregulation. Hieraus werden grundsätzliche trainingsmethodische Empfehlungen sowie spezielle Hinweise für das Ausdauer- und Krafttraining im Kindes- und Jugendalter abgeleitet. Gesonderte Kapitel widmen sich dem Nachwuchsleistungssport und den Fragen der Talentidentifikation und Talentförderung, wobei auch Problembereiche wie beispielsweise der Relative Age Effect (RAE) thematisiert werden. Für den Schulsport werden aus trainingswissenschaftlicher Sicht aktuelle Defizite und zukünftige Möglichkeiten aufgezeigt.

 

Kapitel 11: Training im mittleren und höheren Lebensalter

Der Mensch wird immer älter, und in den nächsten Jahrzehnten ist ein weiterer Anstieg der Lebenserwartung abzusehen. Dieser demografische Wandel stellt neue Anforderungen an die Trainingswissenschaft. Dabei gilt es, den Einfluss unterschiedlicher Trainings- und Bewegungsprogramme sowie verschiedener Sportarten auf Gesundheit und Leistung sowie den Alterungsprozess im mittleren und höheren Lebensalter differenziert zu erforschen. Im vorliegenden Kapitel werden zunächst die molekularen Mechanismen und Theorien des Alterns (u. a. Telomertheorie, DNA-Schadenstheorie, Inflammaging-Theorie) und deren theoretische Beeinflussbarkeit durch Training vorgestellt. Epidemiologische Befunde belegen, dass ein positiver Zusammenhang zwischen erhöhter körperlicher Leistungsfähigkeit bzw. einem zumindest mittleren freizeitkalorischem Energieumsatz und einer verringerten Inzidenz der koronaren Herzkrankheit und vielen anderen Erkrankungen besteht. Die Trainingsintensität sollte dabei mindestens eine moderate Reizschwelle überschreiten. Körperliche Aktivität in Verbindung mit einer hypokalorischen Diät ist ein besserer Weg, dem weltweiten gesellschaftlichen Problem des Übergewichts entgegenzuwirken, als einzig durch Ernährungsmodifikation. Trotz aller Potenziale von körperlicher Aktivität und zunehmend imposanten Beispielen von hochleistungsfähigen „Masterathleten“, nehmen Leistung, Trainierbarkeit und Regenerationsvermögen im Altersgang ab. Dieser Abfall kann jedoch durch geeignete Trainingsinterventionen deutlich reduziert werden. Die Potentiale und Anforderungskriterien typischer Freizeitsportarten werden vorgestellt.

 

Kapitel 12: Trainingswissenschaft in ausgewählten Sportarten

Der Deutsche Tennis Bund (DTB) gehört mit ca. 1,4 Millionen organisierten Sportlern zu den mitgliederstärksten Verbänden des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und ist als Lifetime Sport für zahlreiche Adressatengruppen beiderlei Geschlechts und in jeder Altersgruppe beliebt. Tennis wurde bereits als Rückschlagspiel unter Mönchen seit dem 12. Jahrhundert und als „Jeu de Paume“ in den Ballhäusern des 16. und 17. Jahrhunderts in Frankreich und England gespielt. Das moderne Regelwerk entstand ca. 1880 in Wimbledon durch die British Lawn Tennis Association. In der Folgezeit öffnete sich Tennis von einem zunächst exklusiven Sport für weite Teile der Gesellschaft und zählt zu den bedeutendsten Sportarten weltweit. Die Leistungsstruktur im Tennis besteht aus einem Netzwerk von Leistungskomponenten, in dem technische, taktische, athletische und psychische Faktoren, je nach Alter, Geschlecht, Spielertyp und Bodenbelag, in unterschiedlicher Weise in den Vordergrund treten. Der moderne Tenniswettkampf ist gekennzeichnet durch eine intervallförmige Ganzkörperaktivität mit kurzen Phasen intensiver bis hochintensiver Belastung (4–10 s), unterbrochen durch kurze Pausen (10–20 s) zwischen den Punkten sowie längeren Pausen beim Seitenwechsel (60–90 s). Zur Leistungssteuerung im Training bietet sich die Orientierung am Belastungs- und Beanspruchungsprofil der Sportart an. Hierzu werden differenzierte Befunde vorgelegt und mit vereinzelten Ergebnissen aus Trainingsuntersuchungen verglichen. Es wird versucht, die Leistungsstruktur des Tennissports anhand von empirischen Daten zu quantifizieren. Das Kapitel endet mit Empfehlungen für die Trainingspraxis.